Test Warcry Tabletop Spiel von Games Workshop

WARCRY – Das Netflix unter den Tabletopspielen

Cooles Artwork?
Coole Miniaturen?
Cooles Gelände?
Vorhandene AoS-Minis für's Scharmützel nutzen?

Da bin ich dabei!

Also zack, Release-Tag, Kohle auf den Tresen und her mit der Starterbox. Weiche Knie hatte ich – ok. Auspacken konnte ich auch erst am nächsten Morgen – zu groß die Sorge, dass ich den teuren Kauf bereuen könnte.

Kill Team für Age of Sigmar?


"Warcry is basically Killteam for Age of Sigmar" hieß es in einem Video von Games Workshop. Das stimmt nicht ganz – leider.

Vielmehr fühlt es sich wie Necromunda oder Shadespire mit ihren eigenen Miniaturensets an. Im Gegensatz zu Killteam gibt sich Warcry ausgesprochen wählerisch und ist nur "bestimmten" Figuren aus dem Age Of Sigmar Universum aufgeschlossen.

So dann auch die Überraschung im Stormcast Eternals-Päckchen, das ich noch mitnahm: Erwartet hatte ich Werte und Karten für eine breite Auswahl von Stormcast-Figuren – tatsächlich mitmachen dürfen (bisher) aber nur ein paar Vanguards.
Warcry Tabletop Spiel Test – begrenzte Kämpfertypen
Sei also schlauer als ich und informier Dich vorher, ob Deine Figuren mitspielen können: https://ageofsigmar.com/de/warcry/

Erster Blick – große Liebe?


Keine Enttäuschung beim ersten Öffnen – die Warcry-Starterbox ist randvoll mit Zeug. Erst einmal Massen an Gussrahmen für Minis und Gelände.

Dann eine ganze Menge Marker (ich mag Marker), ein fettes Regelbuch (ächz), Schnellstartregeln, Zusammenbauanleitung, viele Karten und das Spielfeld.

Games Workshop gibt sich Mühe beim Inhalt der Box:

  • Karten sind in kleine Schuber gesteckt – sortiert und geschützt
  • Ausreichend Würfel um gleich loslegen zu können (schöne Grüße an FFG)

Der Blick ins Regelbuch zeigt viel Hintergrundstory und wirklich geiles Artwork. Die Regeln sind (puh) angenehm kurz, wobei GW viel Raum schafft, verschiedene Möglichkeiten des Spiels vorzustellen (Kampagnen, erzählerisches Spiel, etc.).

Was mir auffällt: Die Fotos der Miniaturen sind krass dramatisch inszeniert (nicht so langweilig wie früher). Fast so wie die actiongeladenen Illustrationen. Das steigert das Kribbeln zusätzlich. Ich will würfeln! Ich will endlich Gegner vermöbeln!

Auf den ersten Blick ist tatsächlich nur das zweite Spielfeld (Rückseite), das ziemlich kacke nicht so schön aussieht und gegenüber dem restlichen Inhalt abfällt.
Warcry Tabletop Spiel Test - Epische Miniaturen Fotos

Der zweite Blick …


Tag 3 nach dem Kauf: Wir sind fleißig beim Basteln der Miniaturen und ich hatte Gelegenheit im Regelbuch zu lesen …

Warcry-Miniaturen und Gelände - Vorsicht beim Kleben!


Die Miniaturen der Starterbox bestehen aus den zwei Kämpferscharen der Iron Golems und der Untamed Beasts. Außerdem sind noch weitere "Wildtiere" in den Gussrahmen und viel episches Gelände.

Alle Miniaturen sind sehr detailliert und sehen echt gut aus. Es gibt kaum Gussgrate oder Unsauberkeiten die man wegschneiden muss.

Die Bauanleitung ist sogar für schlichte Gemüter (wie meins) verständlich aufgebaut. Doof nur, dass GW empfiehlt Geländeteile zusammenzukleben, die laut Aufstellungskarten getrennt sein sollen. Wenn Du diese Fehler vermeiden willst, lies lieber diese nützlichen Tipps: https://waywalkerstudios.com/assembling-terrain-for-warcry/

Viel Blut ist geflossen


… seit dem ich den oberen Teil verfasst habe. Man könnte meinen, ich hätte Interesse verloren. Ganz im Gegenteil. Ich habe in den letzten Jahren kein Spiel in so kurzer Zeit so häufig gespielt wie Warcry.

Woran liegt’s?

Warcry ist schnell


Die Regeln sind einfach und ein Spiel benötigt kaum Vorbereitung. Eine Partie dauert nur etwa 45 Minuten. Jeder aktiviert abwechselnd seine Figuren – Bewegung, Angriff, Absetzen, Abwarten – alles bleibt gradlinig im Fluss.

Sogar auf einen Verteidigungswurf wurde verzichtet. Dem Tabletop-Veteranen zuckt regelmäßig die Hand um nach den Verteidigungswürfeln zu greifen. Dann wird ihm schmerzlich bewußt, dass er nichts gegen den Angriff tun kann.

Warcry ist episch


Der zentrale Clue des Spiels ist die Initiative-Regel. Wirf sechs Würfel. Doppelte, dreifache oder vierfache Päsche geben dir epische Schläge, die Ruinen zerbröckeln lassen. Wenn Du weniger Päsche als Dein Gegner hast, kannst Du zumindest zuerst fliehen angreifen.

Chaos Beasts, die den Kriegern das Leben zusätzlich schwer machen, verleihen dem Spiel noch mehr Spin. Du kannst sie aktivieren und Deine Gegner zerfleischen. Auch wenn Sie in den Promotionvideos vor dem Release (auffällig) allgegenwärtig waren, begegnet man ihnen in freier Wildbahn nur selten. Sie kommen nur bei sechs von 36 Wendungskarten ins Spiel.

Partien, von denen Du noch Deinen Enkeln erzählen wirst


„Warcry ist kein Spiel für Taktiker!“ maulte ein selbsternannter „Taktiker“ unlängst. Aber das stimmt nicht. Die Kampfszenarien werden von vier Kartenstapeln (Gelände, Aufstellungspunkte, Siegesbedingungen, Wendungen) gezogen. Durch diese völlig zufälligen Szenarien ist Warcry niemals wirklich ausgewogen oder berechenbar – aber immer neu.

Ein Albtraum für ehrgeizige Spieler mit Kontrollzwang. Aber: Entscheidungen, die Du bei Aufstellung, Siegesbedingungen und Initiative treffen kannst, bieten Raum, Deine Ausgangssituation zu verbessern. Und genau das macht den Reiz aus.

Durch die richtige Taktik kannst Du eine ausweglose Situation zu Deinen Gunsten entscheiden. Das sind Spiele, die einem in Erinnerung bleiben.

Wie letztens, als mein Rocktusk Prowler direkt in der ersten Runde von einem Golem in zwei Teile gerissen wurde.

Oder vorletztens, als der letzte verzweifelte Armbrustschuss aus der hintersten Spielfeldecke den diebischen Goblin zur Strecke und mich zum Sieg einer verloren geglaubten Schlacht brachte.


Eine Welt endloser Schlachten


Seit der Enttäuschung über Star Wars Legion steht für mich fest: Ein Spiel lebt von der erzeugten Stimmung. Und davon gibt es bei Warcry viel.

Die einführenden Kapitel zu den Blutwindhügeln und Achtpunkt sind einfach der Hammer. Games Workshop beschreibt Stämme, Riten, Feindschaften und sogar individuelle Kampagnen für jede Kriegerschar. Es gibt Tabellen, die es den Spielern einfach machen, Namen und Geschichte für ihre Figuren zu erschaffen.

GW ermutigt verschiedenen Spielvarianten auszuprobieren, aber das lockere Kampagnensystem dürfte das Interessanteste sein. Hier wächst Deine Kriegerschar zu einer gefürchteten Bande in Achtpunkt, bereichert mit Artefakten, Schicksalsstufen (ReRolls), Territorien und Söldnern.

Ich hoffe das Games Workshop am Ball bleibt und uns weiter mit Content beliefert. Ich würde mir wünschen, meine Warbands durch kleinere Miniaturen-Packs zu ergänzen und erweitern zu können.

Games Workshop hat bereits viele Erweiterungen angekündigt - der Spielspaß geht weiter.


So viel Lobhudelei - gibt es auch Dinge die nerven?



Das einzige, was mich etwas nervt, sind die vielen Symbole und der weitgehende Verzicht auf Beschriftung auf Spielkarten und in den Regeln . Vermutlich waren die Warcry-Symbole dazu gedacht, dass man sich einfacher orientieren kann – aber man muss schon genau hinsehen oder die Symbol-Erläuterungsseite zurate ziehen, z.B. um die Fertigkeiten-Symbole auf den Karten zu unterscheiden.

Und: Während bei Killteam alle Figurenwerte im Regelbuch und online zu finden sind, ist man bei Warcry auf spezielle Karten für Fähigkeiten und Werte angewiesen, die nur mit den offiziellen Warcry-Boxen verkauft werden. Lange Zeit saßen Spieler auf dem Trockenen, weil Fraktionskartenpacks ausverkauft waren. Da hat sich GW, zumindest vorübergehend, selbst lahm gelegt.

Aber das sind Dinge, die ich verzeihen kann, da das Grundpaket stimmig ist.


Fazit: Gut gemacht, Games Workshop!



Wenn Du Tabletop-Spiele magst, aber wenig Zeit hast, dann ist Warcry Dein Spiel! Ernsthaft: In meinen Regalen verstauben Spiele, weil ich einfach keine Zeit habe, mich um sie zu kümmern.

Warcry ist dagegen eine einfache Entscheidung: Schnell aufzubauen, simple Regeln, abwechslungsreich und kurz. Wie Netflix. Binge-Playing nicht ausgeschlossen.


Hast Du Dir mehr von Warcry erhofft? Oder hast Du noch Anregungen und Tipps?

Schreib mir! tt (at) fantasticfriday.de
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